AnaCredit –
Analytical Credit Dataset

Definition und Inhalt der Meldung

Der Name AnaCredit steht für „analytische Kreditdatensätze“ (Analytical Credit Datasets) und ist eine Datenbank mit detaillierten Informationen über Einzelkredite von Banken im Euroraum.

Neben dem Ziel eines harmonisierten Kreditmeldewesens dient AnaCredit auch der Unterstützung für bedeutende Aufgaben der Europäischen Zentralbank (EZB). Dazu gehören unter anderem die Geldpolitik und die Finanzstabilitätsüberwachung. Mithilfe der Daten aus AnaCredit sollen Risiken innerhalb des europäischen Finanzsystems frühzeitig erkannt werden. Diese Daten sollen der EZB eine genaue Kenntnis über Art, Höhe, Laufzeit, Kreditnehmer und Risikoinformationen von vergebenen Krediten verschaffen.

Die Erhebung der Meldedaten bezieht sich auf Kreditnehmer, die als juristische Person gelten. Wenn die Summe des Gesamtengagements des Schuldners zu einem Meldestichtag innerhalb des Referenzzeitraums 25.000 EUR beträgt, entsteht für diesen Meldepflicht. Die AnaCredit Meldung umfasst granulare Daten zu Kreditrisiko behafteten Instrumenten:

  • eigene Einlagen,
  • Überziehungen,
  • Kreditkartenforderungen,
  • revolvierende Kredite,
  • nichtrevolvierende Kreditlinien,
  • Reverse-Repos,
  • Factoring,
  • Finanzierungsleasings,
  • „Andere Kredite“.

Rechtsgrundlagen

Als Rechtsgrundlage gilt die Verordnung (EU) 2016/867 der Europäischen Zentralbank über die Erhebung granularer Kreditdaten und Kreditrisikodaten (EZB/2016/13). Die Anforderungen der Verordnung hat die Deutsche Bundesbank in der Statistischen Anordnung einer Kreditdatenstatistik (AnaCredit) vom 14. Juli 2016 konkretisiert. Darin hat sie die Gegebenheiten des deutschen Rechtsrahmens entsprechend ausgestaltet und die AnaCredit Meldeanforderungen spezifiziert, die von den berichtspflichtigen Kreditinstituten in Deutschland erfüllt werden müssen.

Parallel zum ersten Einreichungstermin der Vertragspartner-Stammdaten zum Stichtag 31. Januar 2018 hat die Deutsche Bundesbank mit ihrem Rundschreiben Nr. 09/2018 Richtlinien zur Kreditdatenstatistik (AnaCredit) veröffentlicht, die Meldungsumfang und -inhalte präzisieren sowie laufend ergänzt werden.

Als Ergänzung der Verordnung (EU) 2016/867 veröffentlichte die EZB am 23. November 2017 die Leitlinie (EU) 2017/2335 über die Verfahren zur Erhebung granularer Kreditdaten und Kreditrisikodaten (EZB/2017/38). Diese Leitlinien wurden zu Beginn 2020 durch die Änderungsleitlinie (EU) 2020/381 aktualisiert. Nachdem das Rückmeldeverfahren kritisiert wurde, diente die Änderung der Harmonisierung des Rückmeldeverfahrens.

Wichtigste Fakten

Einreichungsformat

  • XML-Datenformat

Einreichungsweg

  • über ExtraNet

Einreichungsfrist

  • Für in Deutschland gebietsansässige beobachtete Einheiten, bis zum Geschäftsschluss des 6. Geschäftstages.
  • Für im Ausland gebietsansässige beobachtete Einheiten, bis zum Geschäftsschluss des 15. Geschäftstages.

Mehr Informationen hierzu finden Sie auf der Webseite der Bundesbank.

Aufbau der Meldung

In der AnaCredit Meldung wird zwischen Vertragspartnerstammdaten, statistischen und dynamischen Kreditstammdaten unterschieden. Folgende Meldefrequenz müssen für die Daten eingehalten werden:

  • Vertragspartnerstammdaten und statistische Kreditstammdaten einmalig bzw. Bei Änderungen
  • dynamische Kreditstammdaten monatlich
  • Rechnungslegungsdaten quartalsweise
  • Bestätigungsmeldungen (Eigenes Modul ab Meldeschema V2.2)

Daten

Darunter

Inhalt

Meldefrequenz

Bemerkung (Bundesbank)

Attributen-
anzahl

Vertragspartner-
stammdaten

Name, Adresse,
Rechtsform,
Wirtschaftszweig-
klassifikationen

Einmalig und bei Änderungen

Bei Änderung eines oder mehrerer Datenfelder ist nicht nur das jeweilige geänderte Datenfeld zu melden, sondern es sind alle Datenfelder des betroffenen Vertragspartner-Stammdatensatzes zu melden.

22+

Löschanzeige für nat. Personen

Anzeige eines gemeldeten
nat. Vertragspartners,
dessen Daten zu löschen
sind

Falls notwendig

Kreditstammdaten

Bei Änderung eines oder mehrerer Datenfelder ist nicht nur das jeweilige geänderte Datenfeld zu melden, sondern es sind alle Datenfelder des betroffenen Vertragspartner-Stammdatensatzes zu melden.

Instrumentendaten

Art des Instruments,
Tilgungsart, Zweck

Einmalig und bei Änderungen 

23

Daten zu Vertragspartner - Instrument

Abbildung des Rollen-
konzepts

Einmalig und bei Änderungen 

1

Daten empfangener Sicherheiten 

Art der Sicherheit, Wert der Sicherheit

Einmalig und bei Änderungen 

10

Daten zu Vertragspartner – empfangene Sicherheiten

Abbildung des Sicherheitengebers

Einmalig und bei Änderungen 

0

Löschanzeige für nat. Personen

Anzeige eines gemeldeten
nat. Vertragspartners,
dessen Daten zu löschen
sind

Falls notwendig

Dynamische Kreditdaten

Finanzdaten

ausstehender Nominal-
wert, außenbilanzieller
Wert, Zinssatz,
Rückstände

monatlich

11

Daten zu Verbindlichkeiten mit mitschuldnerischer Haftung

monatlich

1

Daten zu Instrument - empfangener Sicherheit

berücksichtigungsfähiger Sicherheitenbetrag

monatlich

2

Daten des Vertragspartnerrisikos 

Ausfallwahrscheinlichkeit

monatlich

1

Daten des Vertragspartnerausfalls

Ausfallstatus des Vertragspartners

monatlich

2

Rechnungslegungsdaten 

Abschreibungen, Leistungsstatus, Stundungs- und Neuverhandlungsstatus

quartalsweise

16

Bestätigungsmeldungen

Bestätigungsmeldung für Vertragspartnerstammdaten

Zur Bestätigung von Validierungsfehlern, die im Zuge der Plausibilisierungen aufgetreten sind

Falls notwendig

2

Bestätigungsmeldung für Kreditdaten

Zur Bestätigung von Validierungsfehlern, die im Zuge der Plausibilisierungen aufgetreten sind

Falls notwendig

2

Mit dem Meldeschema V2.2 (ab August 2021) können auch statische Kreditdaten monatlich eingereicht werden.

Validierungshandbuch und Validierungsregeln

Das Validierungshandbuch zu den Validierungsregeln wurde erstmals im November 2017 veröffentlicht und wird fortlaufend von der Bundesbank aktualisiert. Das Validierungshandbuch dient als Ergänzung zu den AnaCredit Richtlinien. Hier werden alles Validierungen beschrieben, die für eine ausreichende Datenqualität eingehalten werden müssen. Des Weiteren zeigt das AnaCredit-Validierungshandbuch Plausibilisierungen auf, die Ausreißerwerte aufdecken. BSM bildet in BAIS jeweils die aktuellste Form des Validierungshandbuches ab.

Lösung BAIS AnaCredit

Umsetzung des Moduls

Die Umsetzung der Verordnung in BAIS erfolgt in einem eigenen, performanten Prozess. BAIS AnaCredit bietet flexible Einsatzmöglichkeiten. Für bestehende Anwender von BAIS integriert sich das Modul komplett in die bestehende Datenversorgung und Abläufe. Auf Grund des flexiblen Umsetzungskonzepts kann das Modul auch Stand-​Alone eingesetzt werden.

Für Berichtspflichtige, die unter die Meldeerleichterungen der AnaCredit Anordnung fallen, gibt es ein eigenes Lizenzmodell, das den reduzierten Meldeumfang berücksichtigt.

Die Umsetzung basiert auf innovativen Konzepten und Methoden aus BAIS, die bereits für andere Meldungen erfolgreich etabliert wurden.

Im Herbst 2016 wurde die erste Version von BAIS AnaCredit ausgeliefert und seitdem stufenweise an die aufsichtlichen Anforderungen angepasst.

Teilanlieferung

Anwender, die bereits BAIS einsetzen, können auf der vorhandenen umfangreichen Datenversorgung und den Ergebnissen anderer Meldungen aufsetzen. Zusätzlich für AnaCredit benötigte Daten werden über Schnittstellen angeliefert.

Über eine flexible Parametrisierung kann für jedes Attribut angegeben werden, ob dieses aus bestehenden Meldungen abgeleitet oder neu angeliefert werden soll.

Mappingregeln, die auch kundenspezifisch angepasst werden können, ermöglichen die Ableitung von Attributen aus anderen bereits vorhandenen oder angelieferten Daten.

Vollanlieferung

Institute, die BAIS AnaCredit unabhängig von anderen bestehenden Systemen einsetzen wollen, können dies einfach erreichen. Über eigene Schnittstellen erfolgt eine Vollanlieferung der benötigten Daten. Die Installation ist einfach und stellt keine besonderen Anforderungen an die Infrastruktur.

Eigener Prozess für Meldung

AnaCredit wird in BAIS als eigener, performanter Prozess umgesetzt. Dies ermöglicht einen hohen Automatisierungsgrad der Meldung, bietet aber trotzdem die gesamte Funktionalität und Transparenz von BAIS.

Das Modul bietet die Möglichkeit, die Meldung vorab zu erstellen und zu kontrollieren. Sind manuelle Änderungen notwendig, können diese über „Massendaten-​Bearbeitungsfunktionalitäten“ geändert werden. Alle Änderungen werden revisionssicher im BAIS protokolliert.

Die Ergebnisse von AnaCredit werden im BAIS-​eigenen Datamart abgelegt und stehen dem Institut für weitere Auswertungen oder Verarbeitung in externen Lösungen zur Verfügung.

Erweiterte Rückmeldungsverarbeitung 

Mit unserem neuen BAIS-​Modul wird die Rückmeldungsverarbeitung für AnaCredit Meldung um weitere Funktionen wie Hinterlegung von Arbeitsanweisungen, Kennzeichnung von erledigten Vorgängen und detaillierter Zeitreihenexport erweitert.

Hinterlegung von Arbeitsanweisungen

Im Konfigurationsdialog der Validierungsregeln kann je Validierungsregel eine Anweisung hinterlegt werden, nach denen der Anwender die in der Rückmeldung auftretenden Validierungsverletzungen korrigieren soll.

Die Anweisungen werden beim Einlesen der Rückmeldungen in die Rückmeldetabellen permanent übernommen und in den Rückmeldedialogen angezeigt. Eine Änderung im Konfigurationsdialog hat somit keine Auswirkungen auf die historische Anzeige im Rückmeldedialog, so dass auch die Historie gewahrt wird.

Kennzeichnung von erledigten Vorgängen

In der Detail-​Ansicht der Rückmeldung kann über eine Schaltfläche ein einzelner Rückmeldesatz als „Bearbeitet“ gekennzeichnet werden. 

Analog können in der gruppierten Ansicht über eine Schaltfläche alle Validierungsfehler einer Gruppe als „Bearbeitet“ gekennzeichnet werden. 

Bei Erledigung wird automatisch der aktuelle Anwender mit Datum eingetragen.

Detaillierter Zeitreihenexport 

In der gruppierten Ansicht können über einen Auswahldialog Validierungsfehler über einen selektierten Zeitraum (Berichtsmonate) im CSV-​Format exportiert werden.

Bestätigungsmeldungen (Ab Meldeschema V2.2)

Dieses Modul integriert die Bestätigungsmeldungen in BAIS. Neben der manuellen Erfassung ist auch eine automatische Erzeugung aus dem XML-Validierungsprotokoll bzw. der Rückmeldung der Bundesbank möglich.

Bereits abgegebene Bestätigungen werden bei der Validierung berücksichtigt, führen somit nicht zu einem erneuten Validierungsfehler.

Download der Rückmeldedaten

Dieses BAIS-Modul bindet die Rückmeldeverarbeitung an das Extra-Net Portal der Bundesbank an.

Damit können automatisch Rückmeldungen aus dem Extra-Net heruntergeladen und nach BAIS importiert werden.

Dort werden diese Informationen aufbereitet und stehen dann wie gewohnt zur weiteren Verarbeitung zur Verfügung.